Schnucki Ride it

Im Frühjahr wanderten wir durch die Heide. Für mich zum ersten Mal. Schon damals dachte ich “ Oh jah – hier muss ich mal durchradeln“. Deshalb zögerte ich nicht mit meiner Zusage als der gute Josh (bekannt aus HolyGravel 2019 – Tag 1-3 und der Parallel Challenge) mich fragte, ob ich nicht mit ihm den Heidschnuckenweg abfahren möchte.

Samstags morgen starteten wir bei mir daheim, huschten zur Fähre und setzen nach Finkenwerder über. Dort gab es den ersten Kaffeestop beim örtlichen Bäcker. Nach einem kurzen flachen Stück erreichten wir den Startpunkt des Heischnuckenwegs in Fischbek. Danach folgten viele unglaublich steile Anstiege über Wurzeln und Abfahrten wo man hin und wieder schieben musste oder schon gar nicht den Schwung mitnehmen durfte, da man sonst gegen dicke Wurzeln brettern würde. Fischbeker Heide: super schön, super anspruchsvoll mit dem Rad.

Danach folgte ein Überführungsstück nach Buchholz in der Nordheide. Noch ein Kaffeestop – irgendwie hatte ich schon wieder Hunger.

Nächstes Ziel war dann Handeloh – hier starteten wir damals unsere Wanderung. Somit waren mir die nächsten Kilometer bekannt – viel schneller fühlte es sich per Rad aber nicht an. Viele schmale Trails und viel zickzack ließen nicht unbedingt ein Gefühl von rasender Geschwindigkeit aufkommen. Nach einem dritten Kaffeestop in Undeloh schleiften wir uns doch die Heide. Dieses Stück – bis Schneverdingen ist wirklich super super schön! In Wilsede kreuzte sogar eine große Herde Heischnucken unseren Weg und auf dem Wilseder Berg begrüßte uns ein Regenbogen! Denn mittlerweile zogen immer mal einzelnde Regenwolken auf, die wir aber unter Bäumen abwettern konnten.

Im Dunklen erreichten wir Soltau. Vorbei an einer riesigen Therme landeten wir direkt auf dem Schützenplatz. Bunter Jahrmarkt mit Lichtern, Blinkeln und Bewegung. Komplettes Kontrastprogramm zu den letzten sehr entspannten und einsamen Kilometern. Beim Lidl wurden dann erstmal die Taschen mit Nahrung vollgemacht. Das Pizzageschäft nebenan hat leider nur Außerhausverkauf, dafür ist es aber mittlerweile viel zu kalt. Bei dem nächsten Dönerladen finden wir Unterschlupf.

Die nächsten Meter fahren wir warm eingepackt bis zu einem ca 14 Kilometer entfernten Shelter, das Josh vorher herausgepickt hatte. Es liegt zwar direkt an einer recht viel befahrenden Straße, ist dafür aber groß und bietet ausreichend Schutz gegen den angekündigten nächtlichen Regen. Beim Lager aufschlagen schlägt bei Josh die Döner-Kola komplett an. Wohl auch seine Overnighter-Erfahrung. Ich bin etwas angespannt. Er ist super locker und aufgedreht. Ich atme tief durch und verkrieche mich schnell in den Schlafsack, der auf der dünnen Sitzbank plaziert ist.

Nach einer kalten Nacht, mit immer weniger Autos, dafür viel mehr Regen kocht der Josh erstmal einen leckeren Kaffee und wir snacken unser Lidl-Frühstück. Danach geht es durch Wietzendorf. Am Ortsausgang habe ich dann einen Platten. Also im windigen und kühlen Morgen den Reifen tauschen. Da kann man immer wieder was vom Mechanikerprofi Josh lernen.

Der zweite Tag führt uns in die Südheide. Hier dominieren Abschnite mit Wald oder landwirtschaftlich genutzten Flächen. Nur hin und wieder durchqueren wir mal eine Heidefläche. Anfangs ist es aber nochmal anspruchsvoll. Bei Müden an der Örzte geht der Heidschnuckenweg direkt am Fluss entlang, ist schmal und es gibt super viele Wurzeln. Da machen sich meine tiefliegenden Radtaschen sehr negativ bemerkbar. Immer wieder bleibe ich hängen, es passiert aber nichts Schlimmeres!

Danach durchfahren wir Faßberg. Dort schauen wir uns durch den Zaun eines der Luftbrückendenkmäler an und bei der örtlichen Tankstelle füllen wir unsere Wasserflaschen auf. Der weitere Weg hat ordentlich Höhenmeter im Programm und geht durch sehr sehr unberührte Waldabschnitte. Nach 50 Kilometern sind wir quasi wieder in Müden. Wir haben eine riesige Schleife gemacht, was wir erstmal bei einem entspannten Kaffee an einer Wassertretstelle verarbeiten.

Die beiden folgenden Schlenker sind dann nicht mehr ganz so krass und es geht daraufhin recht direkt nach Celle. So weit so gut. In dieser Region gibt es sehr viele berittene Wanderer, deren Pferde die Wege sehr unangenehm zu fahren machen.

Erschöpft und etwas gehetzt erreichen wir den Bahnhof in Celle. 33,5 Stunden waren wir unterwegs und haben insgesamt 280 Kilometer, sowie 2200 Höhenmeter bewältigt. Mein Zug kommt quasi direkt, kann mich gerade noch mit Reiseverpflegung eindecken und mich herzlich von meiner super Heidschnucken-Begleitung verabschieden. Bin sehr gespannt auf sein Video – die GoPro lief ordentlich heiß!

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