Holy Gravel – Der zweite Tag

Tag 1 noch nicht gelesen? Dann hier entlang!

Nach einer etwas unentspannten Nacht klingelte der Wecker um 6 Uhr. Josh kam herübergetapert und wir stimmten uns kurz ab: „Mach ganz entspannt – dann gucken wir nach Olaf“. So packte ich meinen warmen Daunenschlafsack und den Biwacksack ein, rollte die Luftmatte zusammen und verstaute alles in meinen Ortlieb Gravel-Packs (Die quietschen leider recht stark bei rütteligen Passagen, aber das Ein- und Auspackprozedere ist mit ihnen super easy).
Olaf lag da noch eingemummelt in seinem deluxe Biwack. Deshalb machten wir uns als Duo – so sollte es dann auch bis zu meinem Ausstieg (Tag 3) bleiben – auf den Weg zum ersten Tagesziel: Der Mole von Puttgarden. Die Strecke dort hin war teilweise technisch anspruchsvoll (einmal stürzte ich sogar leicht, aber nix passiert), aber der Rückenwind tat mal so richtig gut. Vor allem eine „berg“ab-Passage war uns eine Freude. Auf der Mole wurde ich dann in die hohe Kunst der Fahrrad-Fotografie eingewiesen „Immer die Tretlagerseite des Fahrrads nach vorne fürs Foto!“

Die nächsten 25 Kilometer waren dann feiner Gravel auf dem „Regionaldeich“, oder ganz schlecht rollender Grasuntergrund und gar eine Dünenpassage, die eher an BMX fahren erinnerte, geprägt. Der sehr starke Gegenwind lies das Verlassen von Fehmarn so gar nicht schwer fallen. Kurz vor der Brücke scherzten wir noch, dass es lustig wäre, wenn wir andere HolyGravellers auf der Brücke träfen. Es waren dann gleich drei! Erst plauschten wir kurz mit Carola und Ole. Hinter dem letzten Brückenpfeiler „schwärmten“ wir dann Emma vom Wind auf der Insel vor.

Nach 70 Kilometer waren wir dann wieder dort, wo wir tags zuvor auch schon einkehrten: Aral-Tankstelle in Großenbrode. Hier fanden wir dann auch den Michael, mit dem wir auf dem Campingplatz genächtigt hatten – er brauchte aber etwas weniger Schlaf als wir.

Josh in SEINER Tanke

Nun geht es nach Osten. Das nächste Ziel ist meine Heimatstadt Kiel. Zunächst geht es dafür durch Heiligenhafen und Weißenhäuser Strand. So „Kurorte“ halt. Bei der Durchfahrt von Oldenburg werden wir den letzten HolyGraveller für den Rest meiner Tour sehen. Im nächsten Ort, Lütjenburg, schickt uns der Track weg vom gut rollenden Landstraßen-Radweg, bergauf zum Marktplatz und dann beim Ortsausgang wieder auf den Radweg. Solche Schleifen sind immer wieder eine der großen mentalen Herausforderungen dieser Tour. So richtig lange können wir das Dahinrollen jedoch nicht genießen. Denn es geht rechts ab auf einen Grasweg (Geschwindigkeit also gleich 0) und dann hinauf auf den Stretzerberg, den wir zwischenzeitlich hinaufschieben müssen. Hinab müssen wir verbotenes tun, um dem Track weiter folgen zu können. Eigentlich ist der nächste Wald-Abschnitt gesperrt. Aber Verbote übersieht man auf dieser Tour geflissentlich – man macht ja nicht wirklich was kaputt und vermeidet es eh tunlichst!

Durch verschlungene Wege geht es weiter. Bei einer super schönen schnellen Berbabpassage übertreibe ich es ein wenig und hole mir einen Durchschlag im Vorderreifen. Also Ersatzschlauch einspannen und pumpen.

Nach 140 Kilometern erreichen wir bei einsetzendem Nieselregen den Dobersdorfer See. Somit betreten wir mir sehr gut bekanntes Terrain. In dieser Region bin ich aufgewachsen. In dem See waren wir oft baden, auf dem Campingplatz waren wir mal für ein Wochenende. Dann rasen wir den Lustbarg hinunter (War damals meine 10k-Laufrunde, mit 15/16 oder so), dann quasi am Haus vorbei hinunter an die Schwentine, wo ich paddeln gelernt habe – auf DER weißen Brücke muss Josh ein Foto von mir machen. Um jetzt in die Kieler Innenstadt zu gelangen, brauchen wir kein Navi mehr. Dort kommen wir nach insgesamt 405 Kilomern bei einem Café an. Aufwärmen und die nächsten Optionen checken ist angesagt. Mittlerweile hat es sich gut eingeregnet.

#weissebrücke

Wir bestellen erstmal Kaffee, Muffin und Suppe – laden unsere elektronischen Geräte – versuchen unsere Sachen zum Trocknen auszubreiten.
Schon auf den Kilometern vor Kiel begannen die Diskussionen über den weiteren Plan. Bestimmender Faktor dabei war der angesagte Regen – viel Regen – für lange Zeit. Nachdem unsere Recherche ergeben hatte, dass in Eckernförde noch bis spät Züge nach Hamburg fahren würden, entschieden wir uns für das Weiterfahren. Komplett in Regenmontur eingehüllt ging es weiter. Leider war die Pause nicht lang genug für meine Frontlampe – sie zeigte sofort wieder einen niedrigen Ladestatus an, sodass Josh die meiste Zeit den Weg nach Eckernförde ausleuchten sollte… Der Nabendynamo ist bereits bestellt!

Nachdem wir nach einer erneuten frustrierenden Route die Holtenauer Hochbrücke überquert hatten, ging es durch dunkle laubbedeckte Waldpassagen nach Schilksee – dann weiter zum Leuchtturm Bülk.

Holtenauer Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal

Zwei Stunden später rollten wir am Ortschild von Eckernförde vorbei. In dieser Zeit regnete es durchgängig, wir bekamen Hunger und wichen das erste Mal absichtlich vom Track (5 Kilometer) ab. Hier in der Ostseestadt lag das zweite große Ziel von meinem Parnter in Crime: Der McDonalds direkt am Track. Dieser hatte leider keine Steckdosen für uns und auch die Heizung war wohl aus. Die abfälligen Blicke mancher Gäste ware da auch schon egal. Irgendwann wurde ich ziemlich unruhig und wollte weiter. Josh, in seiner warmen Puffer-Jacke, war aber noch ganz entspannt. Dieses Utensil viel mir schon bei vielen beim Start auf. Eine Jacke für die Off-Bike-Zeit. Ich wusste sofort, dass ich sowas auch hätte einpacken sollen – notiert fürs nächste Mal!

Das „Essen“ hatte uns so weit motiviert doch noch nicht in den Zug zu steigen. Es hatte aufgehört zu regnen und am nächsten Tag sollte es zwar regnen aber deutlich wärmer werden. Also checkten wir mit google und openstreetmap die Umgebung nach möglichen Schlafspots ab – mehrere Alternativen taten sich da auf.

Füße hoch auf der Mecces Couch

Zunächst versuchten wir es bei einer dänischen Schule. Dort fanden wir aber nur eine absolute Notlösung: Einen hellbeleuchteten Fahrradunterstand. Nebenan war ein Sportplatz eines dänischen Fußballvereins. Deren Wurstverkaufsbude sah ganz gut aus. Zur Sicherheit schauten wir noch etwas weiter. Aber an die Wurstbude kam nichts heran.

Also Fahrräder nach 207 Tageskilometern (Insgesamt 457k) abstellen und Nachtlager einrichten.

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